Natursekt richtig vorbereiten, von der Absprache bis zur Wäsche

Zwei Sätze über Natursekt kursieren im Netz, und beide stimmen nicht: Urin sei steril, und man könne sich darüber Hepatitis A holen. Was tatsächlich zählt, ist unspektakulärer und lässt sich in einer Viertelstunde vorbereiten.

Entscheidend sind vier Dinge: was übertragen werden kann, wo der Urin landet, wie viel Flüssigkeit zusammenkommt und was danach mit Laken und Fliesen passiert. Wer die vorher klärt, hat den Rest schon fast erledigt.

Inhalt
  1. Was Natursekt umfasst
  2. Der Mythos vom sterilen Urin
  3. Was Urin überträgt und was nicht
  4. Wo der Urin landet, entscheidet über das Risiko
  5. Farbe, Geruch und Geschmack steuern
  6. Wie viel da überhaupt kommt
  7. Wo gespielt wird
  8. Absprache und Signale
  9. Die erste Session Schritt für Schritt
  10. Wenn die Blase zum Spielfeld wird
  11. Danach: Duschen, Wäsche, Geruch
  12. Häufige Fragen

Was Natursekt umfasst

Natursekt bezeichnet sexuelle Spiele mit Urin. Im deutschsprachigen Raum kursieren dafür mehrere Begriffe nebeneinander: Golden Shower, Watersports, NS, Pissing. Die Neigung selbst heißt in der Fachsprache Urophilie.

Die Praxis ist breiter, als der erste Gedanke vermuten lässt. Manche bleiben beim Zusehen und finden schon das Geräusch erregend. Andere lassen sich auf Brust oder Rücken urinieren, wieder andere nehmen den Urin in den Mund. Dazwischen liegt die häufigste Variante überhaupt, nämlich das gemeinsame Duschen, bei dem ganz nebenbei laufen gelassen wird.

Warum das anmacht, hat je nach Person unterschiedliche Gründe. Für die einen ist es der Tabubruch, für die anderen die Wärme auf der Haut. Häufig geht es um Besitz und Markierung oder um ein sichtbares Machtgefälle, in dem eine Person bestimmt, wann und wohin. Für Paare ohne jedes Machtthema kann es umgekehrt eine sehr direkte Form von Nähe sein.

Damit ist Natursekt nicht automatisch BDSM. Es taucht dort oft auf, weil sich Kontrolle und Erniedrigung damit gut inszenieren lassen, funktioniert aber genauso in einer Beziehung ohne Rollen. Wer die Grundbegriffe rund um Absprachen und Safewords noch nicht kennt, findet sie im Überblicksartikel zu BDSM, Rollen und Safewords.

Nicht dasselbe ist Omorashi. Dort dreht sich alles um den Harndrang selbst und um das Einnässen, der Urin ist Nebenprodukt statt Mittelpunkt. Die beiden Vorlieben überschneiden sich, meinen aber verschiedene Dinge.

Der Mythos vom sterilen Urin

Urin ist nicht steril. Die Blase hat ein eigenes Mikrobiom, und im menschlichen Urin sind inzwischen mehr als hundert Bakterienarten aus über fünfzig Gattungen nachgewiesen. Der Satz „Urin ist steril“ ist als Freibrief also nicht zu gebrauchen.

Der Irrtum hat einen konkreten Ursprung. Der englische Chirurg Joseph Lister nutzte Urin im späten 19. Jahrhundert für mikrobiologische Versuche und kochte ihn vorher ab. Was danach keine Bakterien mehr enthielt, galt als bakterienfrei, und diese Annahme hat rund hundert Jahre überlebt. Erst moderne Nachweisverfahren haben sie kassiert.

Für die Praxis ändert das weniger, als es klingt. Die Bakteriendichte im Urin liegt weit unter der im Darm, weil in der Blase kaum Nährstoffe verfügbar sind. Bei zwei gesunden Menschen ist der Urinkontakt kein nennenswertes Problem. Nur ist die Begründung eine andere als die übliche: Es geht nicht um Sterilität, sondern darum, ob eine Infektion der Harnwege vorliegt und wo die Flüssigkeit landet.

Was Urin überträgt und was nicht

Zwischen zwei Menschen ohne Infektion überträgt Urin nichts, was in der Praxis eine Rolle spielt. Relevant wird er, wenn die Harnwege selbst betroffen sind, denn dann schwimmt der Erreger mit.

ErregerÜber Urin übertragbar?Tatsächlicher WegWas das praktisch heißt
HIVNeinBlut, Sperma, Vaginalsekret, DarmschleimhautflüssigkeitDie Deutsche Aidshilfe nennt Urin ausdrücklich als Flüssigkeit, die bei der Übertragung keine Rolle spielt.
Hepatitis ANeinfäkal-oral über Stuhl, Schmierinfektion, verunreinigte LebensmittelDer RKI-Ratgeber nennt ausschließlich den fäkal-oralen Weg. Riskant wird Hepatitis A erst, wenn Stuhl ins Spiel kommt.
Hepatitis BNicht als eigener Weg belegtBlut und SexualsekreteBlutbeimengung im Urin ändert die Lage. Gegen A und B gibt es eine Impfung, die bei regelmäßigem Spiel sinnvoll ist.
Chlamydien und GonokokkenJa, bei bestehender Infektion der HarnröhreSchleimhautkontakt beim SexErststrahlurin ist zugelassenes Testmaterial für den Erregernachweis. Was sich daraus nachweisen lässt, ist auch drin.
Harnwegsinfekt, meist E. coliJaBakterien direkt im UrinBrennen, Drang oder trüber Urin heißt: keine Session, erst behandeln lassen.
Medikamente und ihre AbbauprodukteKein Erreger, aber relevantAusscheidung über die NiereAuf der Haut belanglos. Beim Trinken eine eigene Entscheidung, die von der Substanz abhängt.

Die beiden Sätze, die im deutschsprachigen Netz zu diesem Thema am häufigsten stehen, halten der Prüfung damit nicht stand. „Urin ist steril“ stimmt nicht, und „Hepatitis A kann über Urin übertragen werden“ stimmt ebenso wenig. Was bleibt, ist die unspektakuläre Version: Ein aktueller Test auf sexuell übertragbare Infektionen bei beiden Beteiligten löst mehr Probleme als jede Hygieneregel danach.

Wo der Urin landet, entscheidet über das Risiko

Dieselbe Flüssigkeit stellt an sechs Körperstellen sechs verschiedene Fragen. Die Haut wehrt ab, die Schleimhäute nehmen auf, und das Rektum nimmt sogar in den Kreislauf auf.

WohinWas dort passiertWorauf du achtest
Intakte HautPraktisch nichts. Salze und Harnstoff bleiben außen und lassen sich abduschen.Nach längerem Kontakt trocknet die Haut aus. Warm abspülen statt schrubben.
Frisch rasierte Haut, Schürfungen, WundenBrennt sofort und öffnet eine Eintrittspforte.Rasur mindestens einen Tag vorher. Verletzte Stellen bleiben trocken.
AugenReizung durch Salzgehalt und pH-Wert, keine Infektion im engeren Sinn.Kontaktlinsen vorher heraus. Mit klarem, lauwarmem Wasser spülen.
Mund und SchluckenGeschmack und Salzfracht. Kleine Mengen sind bei gesunden Menschen unproblematisch.Kein Getränkeersatz. Große Mengen belasten über die Salze, nicht über Keime.
VaginaDas Scheidenmilieu kann kippen, was Infektionen begünstigt.Äußerlich statt innerlich. Danach nur mit Wasser spülen, keine Seife innen.
RektumDie Schleimhaut nimmt auf. Was hineinkommt, gelangt in den Kreislauf.Der einzige Weg, bei dem Menge wirklich zählt. Nichts, womit man experimentiert.

Aus dieser Tabelle folgt die einfachste Einstiegsregel, die es zum Thema gibt: Wer beim ersten Mal auf Rücken, Brust und Oberschenkel bleibt, hat kein nennenswertes Risiko und trotzdem die ganze Erfahrung. Gesicht, Mund und alles Innere sind eigene Entscheidungen, die man später und einzeln trifft.

Farbe, Geruch und Geschmack steuern

Die Farbe ist der einfachste Indikator, den es gibt: Je heller der Urin, desto milder sind Geruch und Geschmack. Steuern lässt sich das über Trinkmenge und Zeitpunkt, nicht über irgendwelche Lebensmittel.

Was die Farbe über Geruch und Geschmack verrät Wasserklar mehr getrunken als nötig Geruch praktisch nicht vorhanden. Geschmack sehr mild und wässrig. sehr mild Blassgelb gut hydriert Kaum Eigengeruch, leicht salzig. Der angenehmste Bereich für alles mit Mund. Zielbereich Strohgelb der Normalzustand Geruch spürbar, Geschmack deutlich salzig. Auf der Haut völlig unproblematisch. Zielbereich Kräftig gelb zu wenig getrunken Deutlicher Eigengeruch beim Auftreffen. Ein bis zwei Gläser Wasser, dann passt es. nachtrinken Bernsteinfarben stark konzentriert Streng im Geruch, scharf und bitter im Mund. In Wunden und Augen brennt es stärker. zu konzentriert Braun oder rötlich auch trüb oder flockig Kein Spielmaterial, sondern ein Befund. Ohne Abklärung keine Session. abklären lassen
Zwei harmlose Ausnahmen von der Skala: Vitamin-B-Präparate färben kräftig neongelb, rote Rüben können den Urin rötlich färben.

Der Hebel dafür ist einfach. Etwa ein halber Liter Wasser, verteilt über die Stunde vor der Session, bringt die meisten Menschen zuverlässig in den hellen Bereich. Auf einen Schlag getrunken funktioniert das schlechter, weil die Blase dann schneller voll ist als der Körper verdünnt hat.

Was den Geruch dagegen verlässlich verschlechtert, lässt sich planen. Spargel ist der Klassiker: Die enthaltene Asparagusinsäure wird zu flüchtigen Schwefelverbindungen abgebaut, und das teilweise schon fünfzehn bis dreißig Minuten nach dem Essen. Kaffee und Alkohol wirken harntreibend, füllen die Blase also schneller, sorgen aber gleichzeitig für konzentrierteren Urin, wenn nicht nachgetrunken wird. Knoblauch und stark gewürztes Essen tun ihr Übriges.

Umgekehrt gilt der bekannteste Tipp der Szene als nicht belegt. Ananas oder Fruchtsäfte machen den Geschmack nicht messbar süßer. Der einzige Hebel, der sicher wirkt, ist Verdünnung.

Wie viel da überhaupt kommt

Mit 200 bis 400 Millilitern pro Entleerung ist zu rechnen, also mit ein bis zwei Trinkgläsern. Das ist die Zahl, die darüber entscheidet, ob ein Handtuch reicht oder ob es das Badezimmer sein muss.

FüllstandMengeWoran du es merkstWas das für die Session heißt
Erster Harndrang150 bis 250 mlleichter Druck, gut zu ignorierenreicht für einen kurzen Durchgang
Normale Blasenfüllung300 bis 500 mldeutlicher, aber beherrschbarer Drangder Regelfall, gut planbar
Starker Harndrangab 350 bis 450 mlSitzen und Stillhalten werden unangenehmGrundlage für Anhaltespiele, schlecht für Zielgenauigkeit
Eine Entleerung200 bis 400 mlentspricht ein bis zwei Trinkgläsernso viel landet tatsächlich auf Haut oder Boden
Tagesmenge1,5 bis 2 Literverteilt auf mehrere Gängezwei bis drei brauchbare Durchgänge an einem Abend

Daraus ergibt sich die Zeitplanung fast von selbst. Nach einem halben Liter Wasser dauert es je nach Person vierzig bis neunzig Minuten, bis die Blase wieder brauchbar gefüllt ist. Wer zwei Durchgänge plant, trinkt also nicht zwischendurch schnell nach, sondern rechnet mit einer echten Pause dazwischen.

Vom Vorladen mit literweise Wasser ist abzuraten. Der Urin wird dadurch zwar heller, aber sehr große Trinkmengen in kurzer Zeit verdünnen auch das Blut. Wer ein kosmetisches Problem lösen will, sollte sich dafür kein medizinisches einhandeln.

Wo gespielt wird

Für den Anfang ist die Dusche der richtige Ort, weil dort nichts vorbereitet und nichts gerettet werden muss. Alles andere braucht eine abwischbare Zwischenschicht.

OrtSpricht dafürSpricht dagegenAufwand danach
Dusche oder Wannealles läuft ab, warmes Wasser ist griffbereiteng, meist im Stehen, wenig Raum für Inszenierungabspülen, zwei Minuten
Badezimmerboden mit HandtüchernPlatz zum Liegen, Fliesen verzeihen vielFugen nehmen Geruch aufwischen und Fugen nachputzen, etwa zehn Minuten
Bett mit Lack- oder Vinyllakenbequem, Rollenspiel funktioniertdas Laken muss deutlich größer sein als die gedachte FlächeLaken abduschen und trocknen, fünf Minuten
Bett ohne Schutznichtsdie Matratze saugt auf, der Geruch bleibt im Schaumpraktisch nicht mehr zu beheben
DraußenReiz des Verbotenen, kein Aufräumen§ 218 Abs. 2 StGB stellt öffentliche geschlechtliche Handlungen unter Strafe, bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder 360 Tagessätzekein Aufwand, dafür ein rechtliches Risiko

Zur letzten Zeile gehört eine Einordnung. Strafbar ist die Handlung in Österreich nach § 218 Abs. 2 StGB dann, wenn sie öffentlich stattfindet und geeignet ist, durch unmittelbare Wahrnehmung berechtigtes Ärgernis zu erregen. Ein abgelegener Waldweg ist rechtlich etwas anderes als ein Park am Sonntagnachmittag, und die Einschätzung trifft im Zweifel nicht ihr.

Schwarzes Lack-Bettlaken in 200 mal 230 Zentimetern, glänzende Oberfläche
Lack-Bettlaken schwarz 200 x 230 cm

Genau die Zwischenschicht, um die es in der Tabelle geht. Die Größe deckt ein Standardbett samt Rand ab, und die glatte Oberfläche lässt sich nach der Session abduschen statt waschen. Der Hersteller nennt als Zweck ausdrücklich feuchte Spiele und den Schutz von Bett und Möbeln.

Zur Kategorie Hygiene

Beim eigenen Outfit gilt derselbe Gedanke. Latex und Lack lassen sich unter der Dusche abspülen und sind danach wieder einsatzbereit, Stoff dagegen wandert in die Maschine. Wer regelmäßig spielt, baut sich mit ein oder zwei Teilen aus der Fetisch-Kleidung eine Garderobe, die den Abend übersteht.

Absprache und Signale

Vier Punkte gehören vor die erste Session, und zwar ausgesprochen statt angedeutet: wohin genau, wie viel, ob der Mund im Spiel ist und woran das Ende erkennbar wird.

Die Frage nach dem Wohin ist die wichtigste, weil sie das Risiko festlegt. Rücken und Brust sind unkompliziert, das Gesicht ist eine eigene Entscheidung, weil Augen und Mund automatisch mit dabei sind. Wer das trennen will, vereinbart eine Linie: alles unterhalb des Kinns, Augen geschlossen, Mund zu.

Konkret formuliert klingt das unromantisch und funktioniert deshalb. „Ich pinkle dir auf Brust und Bauch, du hältst die Augen zu, und wenn du den Kopf wegdrehst, höre ich auf“ ist eine vollständige Absprache. „Mal schauen, wie weit wir kommen“ ist keine.

Ein Sonderfall entsteht, sobald ein Knebel dazukommt. Wer geknebelt ist, kann kein Safeword sagen und den Kopf oft auch nicht wegdrehen. Beides muss ersetzt werden: ein Gegenstand in der Hand, der fallen gelassen wird, oder ein vereinbartes Klopfzeichen. Wer die Signale erst dann klärt, wenn der Knebel schon sitzt, klärt sie gar nicht.

Schwarzer Knebel mit anatomisch geformtem Auffangtrichter und drei verstellbaren PVC-Riemen
Knebel für Piss-Spiele

Das Musterbeispiel für den Absatz darüber. Der Trichter sitzt anatomisch geformt vor dem geöffneten Mund, über den vorderen Schlauch lässt sich gezielt einfüllen, und drei verstellbare PVC-Riemen halten ihn an Ort und Stelle. Genau deshalb braucht es hier ein Handzeichen statt eines Safewords.

Knebel ansehen

Aftercare fällt bei Natursekt oft unter den Tisch, weil die Praxis so beiläufig wirkt. Sie ist es nicht. Wer angepinkelt wurde, friert danach schneller, als beide erwarten, und die Nachwirkung ist bei Erniedrigungsspielen eher stärker als bei anderen Praktiken. Warmes Wasser, trockene Kleidung und eine normale Stimme reichen für den Moment. Das eigentliche Gespräch funktioniert am nächsten Tag besser.

Die erste Session Schritt für Schritt

Der folgende Ablauf ist der unaufwendigste Weg in die Praxis. Er kommt ohne Ausrüstung aus und lässt sich an jedem beliebigen Abend umsetzen.

  1. Zwei Stunden vorher einen halben Liter Wasser trinken. Gleichmäßig über die Zeit, nicht auf einmal. Das bringt die Farbe in den hellen Bereich und die Blase in einen planbaren Zustand.
  2. Die Rasur auf einen anderen Tag legen. Frisch rasierte Haut brennt, und zwar deutlich. Zwischen Rasur und Session gehört mindestens ein Tag.
  3. Kontaktlinsen heraus, Schmuck ab. Beides ist in dem Moment vergessen, in dem es relevant wird.
  4. In der Dusche anfangen, mit laufendem warmem Wasser. Der Ort löst das Aufräumproblem, und das warme Wasser verhindert das Auskühlen, das die Stimmung sonst zuverlässig beendet.
  5. Am Rücken beginnen. Die unbeteiligtste Körperstelle, die es gibt. Ob es überhaupt gefällt, zeigt sich dort genauso wie im Gesicht.
  6. Ansagen, bevor es losgeht. Ein kurzes „jetzt“ reicht. Es nimmt nichts weg und verhindert das reflexhafte Zusammenzucken.
  7. Danach warm abduschen. Wenn der Mund im Spiel war, ausspülen und Zähne erst eine halbe Stunde später putzen, damit der Zahnschmelz nicht zusätzlich beansprucht wird.
  8. Am nächsten Tag darüber reden. Direkt danach sagen die meisten Menschen, dass alles passt. Was wirklich hängen geblieben ist, zeigt sich später.

Wenn die Blase zum Spielfeld wird

Auf der zweiten Ebene geht es nicht mehr um die Flüssigkeit, sondern um die Erlaubnis. Wer wann darf, wird zum eigentlichen Spielelement, und der Urin ist nur noch das, was am Ende dabei herauskommt.

Beim Anhalten bestimmt eine Seite den Zeitpunkt. Das funktioniert als Spannungsbogen über eine gute Stunde hinweg gut, verlangt aber eine klare Obergrenze. Über den deutlichen Drang hinaus wird es schnell mehr unangenehm als erregend, und bei Brennen oder Schmerzen ist ohnehin Schluss. Die Blase eignet sich als Bühne, nicht als Trainingsgerät.

Toilettenrollen sind die konsequenteste Variante davon. Eine Person wird zum Objekt erklärt, dessen Zweck genau darin besteht, und der Reiz liegt im Rahmen, nicht in der Menge. Wer dafür Möbel einsetzt, findet unter den BDSM-Toiletten die passenden Konstruktionen, und die übrige Ausstattung an BDSM-Möbeln sorgt dafür, dass niemand nach zehn Minuten Rückenschmerzen hat. Ein Halsband markiert die Rolle deutlicher als jede Ansage, und wer den Rahmen weiter treiben will, wird bei Pet Play fündig.

Die dritte Variante arbeitet mit geschlossenen Systemen. Statt frei zu laufen, wird die Flüssigkeit geführt, entweder in einen Beutel am Körper oder über einen Trichter direkt weiter. Das verlagert den Reiz vom Sichtbaren auf das Kontrollierte und macht ganz nebenbei die Aufräumfrage kleiner.

Schwarze Radlerpants aus Latex mit integriertem transparentem Urinbeutel
Piss-Pant aus Latex

Die Radlerpants aus Latex hat laut Hersteller einen fest integrierten transparenten Urinbeutel, der über einen Ablasshahn entleert wird. Damit ist sie genau das geschlossene System, um das es hier geht: Getragen wird ohne Toilettengang, und den Zeitpunkt der Entleerung bestimmt, wer den Hahn bedient.

Latex ansehen

Für Masken mit Trichteranschluss gilt eine zusätzliche Regel, die über das Thema hinausgeht: Eine Gasmaske schränkt die Atmung ein, und wer geknebelt und maskiert gleichzeitig ist, kann sich nicht mehr bemerkbar machen. Solche Aufbauten gehören unter ständige Sicht, nie in eine Fixierung, aus der niemand allein herauskommt.

Danach: Duschen, Wäsche, Geruch

Frischer Urin riecht kaum. Der strenge Geruch entsteht erst mit Verzögerung, weil Bakterien den enthaltenen Harnstoff zu Ammoniak abbauen. Deshalb entscheidet nicht die Gründlichkeit über das Ergebnis, sondern die Geschwindigkeit.

Am Körper reicht warmes Wasser mit einer milden Waschlotion. Haare speichern den Geruch länger als die Haut und wollen einmal richtig gewaschen werden. Wer empfindlich ist, cremt danach nach, weil der Salzgehalt die Haut austrocknet.

Textilien werden zuerst kalt ausgespült, dann normal gewaschen. Heißes Wasser gleich zu Beginn ist der häufigste Fehler, weil Hitze Eiweiße fixiert und den Geruch mit einschließt. Ein enzymhaltiges Vollwaschmittel baut die Rückstände ab, ein Feinwaschmittel nicht.

Latex und Lack kommen nur mit klarem Wasser in Berührung. Danach werden sie getrocknet und mit einem Pflegemittel behandelt. Öl- und fetthaltige Produkte greifen Latex an, das gilt für die Pflege genauso wie für Gleitmittel. Leder bleibt am besten ganz aus der Spritzzone, denn was einmal eingezogen ist, bleibt drin.

Bei einer betroffenen Matratze zählt jede Minute. Erst mit einem Handtuch abtupfen statt reiben, dann mit kaltem Wasser nacharbeiten, dann einen enzymatischen Reiniger einwirken lassen und vollständig trocknen. Auf Fliesen sitzt der Geruch meist nicht auf der Fläche, sondern in den Fugen.

Kein Chlorreiniger auf Urinrückstände. Der Harnstoff im Urin reagiert mit dem Natriumhypochlorit in Chlorreinigern zu Chloraminen, die die Schleimhäute reizen. Erst mit reichlich Wasser spülen und dann reinigen, oder gleich zu einem enzymatischen Mittel greifen.

Häufige Fragen

Stimmt es, dass Ananas den Geschmack verbessert?

Für diesen Tipp gibt es keinen Beleg. Er kursiert seit Jahren in Foren, meist im Zusammenhang mit Sperma, und wird auf Urin einfach übertragen. Was nachweislich wirkt, ist die Verdünnung: Heller Urin schmeckt milder, konzentrierter schmeckt salziger und bitterer. Umgekehrt lässt sich der Geschmack sehr wohl verschlechtern, etwa durch Spargel, Knoblauch oder Alkohol.

Was ist, wenn jemand Medikamente nimmt?

Für den Hautkontakt spielt das keine Rolle. Beim Trinken ist es eine andere Frage, weil viele Wirkstoffe und ihre Abbauprodukte über die Niere ausgeschieden werden und damit im Urin landen. Wie relevant das ist, hängt vollständig von der Substanz ab und lässt sich pauschal nicht beantworten. Wer regelmäßig etwas einnimmt und trinken möchte, fragt am besten in der Apotheke nach der konkreten Substanz.

Was mache ich, wenn Urin ins Auge kommt?

Mit klarem, lauwarmem Wasser spülen, und zwar länger als es sich nötig anfühlt, gute zehn Minuten. Falls noch eine Kontaktlinse drin ist, kommt sie vorher heraus. Augentropfen braucht es dafür nicht. Das Brennen kommt vom Salzgehalt und vom pH-Wert, nicht von Keimen, und es lässt normalerweise innerhalb einer halben Stunde nach. Bleibt das Auge danach gerötet oder lichtempfindlich, gehört es angeschaut.

Ist Urintrinken gesund, so wie es die Urintherapie behauptet?

Ein gesundheitlicher Nutzen ist nicht belegt. Die Niere sortiert aus, was der Körper loswerden will, und führt man es wieder zu, muss dieselbe Arbeit noch einmal geleistet werden. Für die Kink-Frage ist das ohnehin nebensächlich: Wer aus Lust trinkt, tut das nicht wegen einer Wirkung, sondern wegen der Situation. Als Therapie taugt es nichts, als Spiel ist es davon unberührt.

Was, wenn im entscheidenden Moment nichts kommt?

Das ist häufig und hat einen Namen: Paruresis, umgangssprachlich schüchterne Blase. Beobachtet zu werden blockiert den Beckenboden, und je mehr Druck entsteht, desto weniger geht. Was hilft, ist laufendes Wasser im Hintergrund, sich wegzudrehen, warm zu duschen und den Versuch abzubrechen, statt ihn zu erzwingen. Bei Erregung kommt ein zweiter Punkt dazu: Ein erigierter Penis lässt sich schwer entleeren, weil der Blasenhals dabei verschlossen ist. In dem Fall hilft nur eine Pause.

Kann man Natursekt praktizieren, wenn eine Blasenentzündung im Anmarsch ist?

Nein. Bei einem Harnwegsinfekt sind die Erreger direkt im Urin, und das ist genau der Fall, in dem die Flüssigkeit tatsächlich etwas überträgt. Brennen beim Wasserlassen, ständiger Drang, trüber oder streng riechender Urin sind die typischen Zeichen. Erst behandeln lassen, dann weitermachen. Das gilt auch dann, wenn nur die Haut beteiligt wäre.

Greift Urin Latex oder Leder an?

Latex verträgt Urin gut, solange er nicht antrocknet. Abspülen mit klarem Wasser, trocknen, pflegen, fertig. Gefährlich für das Material sind nicht die Salze, sondern Öl und Fett, also auch fetthaltige Gleitmittel und Cremes. Leder ist der Problemfall: Es saugt auf, der Geruch bleibt, und eine echte Reinigung gibt es dafür nicht. Lack und Vinyl liegen dazwischen und lassen sich abwischen.

Wie finde ich jemanden, der das auch mag?

Über die einschlägigen Plattformen im deutschsprachigen Raum, auf denen sich Vorlieben im Profil filtern lassen. Welche das sind und wie sie sich unterscheiden, steht im BDSM-Grundlagenartikel in der Übersicht zur Community. Für das erste Treffen gilt dasselbe wie überall: an einem öffentlichen Ort, ohne Verpflichtung, und ein Gespräch über Tests und Grenzen vor dem ersten Mal statt danach.

Der nächste Schritt

Für die erste Session brauchst du eine Absprache, ein Glas Wasser und eine Dusche. Wer danach weitermachen will, findet abwischbare Laken und die passende Ausstattung in der Kategorie Hygiene.

Zur Kategorie Hygiene
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