Inhalt
- Zwei Rollen, und die passive hat einen eigenen Namen
- Fünf Nachbarbegriffe, die oft verwechselt werden
- Was am Schlaf reizt, wenn man die Betroffenen fragt
- Ein schlafender Mensch kann vor dem Gesetz nicht widersprechen
- Die Wachheitsskala
- Gespielter Schlaf ist die Variante ohne Graubereich
- Beim Wecken beginnt das Spiel mit dem Aufwachen
- Was ihr vorher festlegt
- Was nie dazugehört
- Nach dem Aufwachen braucht auch die aktive Seite ein Gespräch
- Wenn die Fantasie am fehlenden Ja hängt
- Häufige Fragen
Zwei Rollen, und die passive hat einen eigenen Namen
Somnophilie bezeichnet die sexuelle Erregung durch einen schlafenden Menschen. Der Begriff stammt vom Sexualforscher John Money, der ihn 1986 einführte, und setzt sich aus dem lateinischen „somnus“ für Schlaf und dem griechischen „philia“ zusammen. Im Englischen heißt dasselbe Somnophilia. Money band die Erregung in seiner ersten Beschreibung an das Wecken der schlafenden Person, später wurde dieser Teil als eigener Begriff abgetrennt.
Gemeint war damit ursprünglich nur die aktive Seite, also die Person, die berührt. Die Gegenrolle, die Lust daran, selbst im Schlaf berührt oder genommen zu werden, heißt in der Forschung Dormaphilie. Der Begriff ist jung und taucht in deutschsprachigen Ratgebern bisher kaum auf, obwohl er in der ersten qualitativen Untersuchung zum Thema häufiger vorkam als die aktive Form.
Das Forschungsteam um Deehan und Bartels von der University of Lincoln hat 232 Menschen online zu ihren schlafbezogenen Fantasien befragt. 14,2 Prozent hatten nur somnophile Fantasien, 22,8 Prozent nur dormaphile und 34,5 Prozent beide (Deehan und Bartels, Sexual Abuse, 2023). Die Stichprobe ist nicht repräsentativ, sie stammt teils aus Fetisch-Foren. Sie zeigt aber, dass viele beide Seiten der Fantasie kennen.
Fünf Nachbarbegriffe, die oft verwechselt werden
Somnophilie ist eine Vorliebe, die jemand bei vollem Bewusstsein hat. Genau das unterscheidet sie von den Begriffen, mit denen sie in Suchergebnissen und Foren ständig vermischt wird.
| Begriff | Was passiert | Wer ist wach | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Somnophilie | Erregung durch einen schlafenden Menschen, aktive Rolle | die aktive Person | sexuelle Vorliebe, als Fantasie verbreitet |
| Dormaphilie | Lust daran, im Schlaf berührt zu werden, passive Rolle | die aktive Person, die passive schläft oder spielt Schlaf | sexuelle Vorliebe, Gegenstück zur Somnophilie |
| Sleeping-Beauty-Syndrom | Erregung an dem Moment, in dem die schlafende Person aufwacht | die aktive Person | früher mit Somnophilie gleichgesetzt, heute eigener Begriff |
| Sleepy Sex | Sex, während beide noch im Halbschlaf sind | beide nur halb | Reiz liegt in der Nähe, kein Fetisch im engeren Sinn |
| Sexsomnia | sexuelle Handlungen im Schlaf, ohne Erinnerung danach | niemand, die handelnde Person schläft selbst | Schlafstörung aus der Gruppe der Parasomnien |
| Pseudo-Nekrophilie | eine wache Person spielt Leblosigkeit | beide | Rollenspiel, eigener Fetisch |
Für die Praxis ist die Sexsomnia-Zeile die wichtigste, weil sie mit einer Vorliebe nichts zu tun hat. Was in diesem Fall hilft, steht in den häufigen Fragen am Ende.
Was am Schlaf reizt, wenn man die Betroffenen fragt
Der Schlaf selbst ist Teil des Reizes, und dazu kommt, was er möglich macht. Deehan und Bartels haben die Antworten thematisch ausgewertet, und für aktive und passive Seite ergeben sich verschiedene Motive.
Auf der aktiven Seite nannten 30,4 Prozent Kontrolle und Dominanz bis hin zur „totalen Macht“ über den Körper der anderen Person als das, was sie erregt. Andere beschrieben den schlafenden Partner als besonders begehrenswert oder das Vertrauen, das darin liegt, sich jemandem schlafend zu überlassen. Auf der passiven Seite nannten 19,1 Prozent etwas anderes: Sie sagten, dass sie sich im Moment der Berührung im Schlaf besonders begehrt fühlen, weil jemand nicht warten konnte, bis sie aufwachen. Dieses Gefühl hing auffällig oft an einem bestimmten, vertrauten Partner.
Der Befund mit den meisten praktischen Folgen betrifft das Aufwachen. Für 25,7 Prozent der Menschen mit dormaphilen Fantasien war das Aufwachen der Kern der Fantasie und der Punkt, an dem sie überhaupt erst beginnt. Auf der aktiven Seite gab es beides: Für 12,5 Prozent war das Aufwachen des Partners der Kern des Reizes, für 18,8 Prozent war es das größte Hindernis. Diese beiden Gruppen wollen sehr verschiedene Dinge, und nur die erste lässt sich mit einem Partner auf Augenhöhe umsetzen.
Ein schlafender Mensch kann vor dem Gesetz nicht widersprechen
Sexuelle Handlungen an einer schlafenden Person sind in Österreich und Deutschland grundsätzlich strafbar, auch in einer Beziehung. Eine Ausnahme für eine Zustimmung, die vor dem Einschlafen gegeben wurde, sehen beide Gesetze nicht ausdrücklich vor.
In Österreich regelt das § 205 StGB, der sexuellen Missbrauch einer wehrlosen Person. Beischlaf oder gleichzusetzende Handlungen unter Ausnützung der Wehrlosigkeit sind mit einem bis zehn Jahren Freiheitsstrafe bedroht, andere geschlechtliche Handlungen mit sechs Monaten bis fünf Jahren. Der Wiener Strafverteidiger Zaid Rauf fasst die Praxis so zusammen: „Sexuelle Handlungen an einer schlafenden Person fallen grundsätzlich unter § 205 StGB.“ Er beschreibt auch, wo solche Verfahren entstehen, nämlich häufig in bestehenden oder ehemaligen Beziehungen, und er nennt ausdrücklich Vorwürfe, die erst nach einer Trennung erhoben werden (Rauf, Sexueller Missbrauch § 205 StGB).
In Deutschland greift § 177 Abs. 2 StGB. Nummer 1 erfasst den Fall, dass jemand ausnutzt, dass die Person „nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern“. Die direkt folgende Nummer 2, bei der die Person nur eingeschränkt ist, enthält den Zusatz „es sei denn, er hat sich der Zustimmung dieser Person versichert“. Bei Nummer 1 steht dieser Zusatz nicht. Ob eine vorher erteilte Zustimmung trotzdem wirkt, beantwortet der Gesetzestext nicht. Der Strafrahmen beträgt sechs Monate bis fünf Jahre, bei Beischlaf oder Eindringen in den Körper ist nach Absatz 6 in der Regel ein besonders schwerer Fall mit mindestens zwei Jahren gegeben.
Daraus folgt eine ehrliche Aussage statt einer beruhigenden: Eine Absprache macht die Sache ethisch zu etwas völlig anderem, rechtlich schützt sie nicht sicher. Sie existiert außerdem nur in der Erinnerung zweier Menschen, und genau diese Erinnerung kann nach einer Trennung auseinanderlaufen. Das hier ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung. Wer sich in einer konkreten Situation unsicher ist, fragt eine Anwältin oder einen Anwalt.
Die Wachheitsskala
Ob Somnophilie einvernehmlich gelebt werden kann, entscheidet sich daran, wie wach die passive Person ist. Die Skala unten ordnet die vier Situationen, die unter dem Begriff zusammenlaufen.
Die Grenze zwischen Stufe 2 und 3 ist im Schlafzimmer nicht scharf, und darin liegt das Problem. Wer im Halbschlaf weckt, weiß nicht zuverlässig, ob die andere Person gleich aufwacht oder weiterschläft. Stufe 2 funktioniert deshalb nur mit der Regel, die im Kapitel zum Wecken steht.
Gespielter Schlaf ist die Variante ohne Graubereich
Im Rollenspiel sind beide wach, und die passive Person spielt Schlaf. Rechtlich und ethisch ist das eine Szene wie jede andere, weil sie jederzeit sagen oder zeigen kann, dass Schluss ist.
Unterschätzt wird, wie viel von der Fantasie diese Variante trägt. Für die dormaphile Seite liegt der Reiz im Begehrtwerden und im Moment des Aufwachens, und beides lässt sich spielen. Die passive Person liegt mit geschlossenen Augen, reagiert nicht auf Ansprache, lässt den Körper schwer werden und entscheidet selbst, wann sie „aufwacht“. Für die aktive Seite bleibt der Kern ebenfalls erhalten: Sie bestimmt Tempo und Berührung, ohne dass ein Wort fällt.
Weil die passive Person im Spiel nicht spricht, braucht die Szene ein Abbruchsignal außerhalb der Sprache, etwa ein zweimaliges Klopfen auf die Matratze oder ein Handzeichen. Das ist dieselbe Logik wie bei gespieltem Nicht-Einverständnis, die im Artikel zu CNC und anderen Kink-Kürzeln ausführlich steht.
Blickdicht und ohne Verschluss, damit bleibt die passive Person im Nicht-Sehen, das den Schlaf im Spiel ersetzt, und ist trotzdem mit einem Griff wieder draußen. Bei Latexallergie tut es ein blickdichtes Tuch aus Baumwolle.
Im Shop ansehenBeim Wecken beginnt das Spiel mit dem Aufwachen
Die zweite Variante startet tatsächlich im Halbschlaf, mit Berührungen, die wecken sollen. Sie ist nur in einer Beziehung mit gewachsenem Vertrauen denkbar, und sie hat eine Bedingung, die über allem steht: Das Aufwachen ist der Beginn der Szene, nicht ihre Störung.
In der Praxis heißt das: Geweckt wird mit Berührungen ohne sexuellen Bezug, etwa Streicheln über den Rücken oder ein Kuss auf die Schulter. Alles, was vor dem Aufwachen passiert, bleibt damit auf einer Ebene, die zwischen Partnern auch ohne Absprache üblich ist. Sexuell wird es erst, wenn die Person wach ist und erkennbar antwortet, mit einer Bewegung zu dir hin oder einem Wort. Bleibt die Reaktion aus, dreht sie sich weg, brummt sie oder wirkt sie orientierungslos, ist Schluss, und zwar ohne Nachfrage in derselben Nacht.
Für die aktive Seite ist das die schwierigste Regel, weil sie der Fantasie widerspricht, in der der Partner möglichst lange weiterschläft. Genau an diesem Punkt trennt sich eine Vorliebe, die mit dem Partner gelebt wird, von einer, die ihn nur als Körper braucht. Wer merkt, dass der Reiz für ihn am Nicht-Aufwachen hängt, findet dazu weiter unten ein eigenes Kapitel.
Wenn es nach dem Aufwachen weitergeht, liegt Gleitgel griffbereit, damit niemand dafür aufstehen muss.
Was ihr vorher festlegt
Die Absprache findet tagsüber statt, nüchtern und nicht im Bett. Ohne diese Punkte gibt es keine Szene, auch keine gespielte.
- Die Variante: nur gespielter Schlaf oder auch Wecken. Das ist keine Stufe, die man nach ein paar Wochen automatisch erreicht, sondern eine eigene Entscheidung.
- Das Heute-ja-Signal: Beim Wecken gilt kein Dauer-Ja. Die passive Person gibt vor dem Einschlafen ein Zeichen, das nur für diese eine Nacht gilt, etwa ein Gegenstand auf dem Nachttisch oder ein vereinbarter Satz. Ohne Zeichen passiert nichts.
- Die Weck-Berührungen: konkret benannt, und dazu die Grenze, ab der die passive Person wach sein und geantwortet haben muss.
- Das Abbruchsignal: welches Zeichen es konkret ist, damit beide es auch im Halbdunkel erkennen.
- Verhütung und Safer Sex: vorher geklärt, weil im Halbschlaf niemand über Kondome verhandelt.
- Das Gespräch danach: wann und wie ihr darüber redet, auch wenn alles gut war.
Das Heute-ja-Signal hat einen zweiten Zweck. Es macht das Zurückziehen der Zustimmung leicht, weil niemand etwas absagen muss. Wer an einem Abend nicht will, legt einfach nichts hin. Morgens wird der Gegenstand weggeräumt, damit kein Zeichen vom Vorabend stehen bleibt.
Was nie dazugehört
Kein Mittel, das den Schlaf vertiefen oder das Aufwachen verhindern soll. Das gilt für jedes Schlafmittel genauso wie für gezielt eingesetzten Alkohol.
In der Studie von Deehan und Bartels tauchte diese Idee auf, ein Teilnehmer beklagte sogar, dass frei verkäufliche Schlafmittel nicht stark genug seien, weil der Partner zu früh aufwache. Sexuelle Handlungen an einem Menschen, der wegen eines solchen Mittels nicht widersprechen kann, fallen unter dieselben Paragrafen wie im Tiefschlaf, und eine Ausnahme für vorherige Zustimmung sehen sie nicht vor. Dazu kommt ein gesundheitliches Risiko, das niemand im Schlafzimmer einschätzen kann, weil Wirkung und Wechselwirkung von der Dosis und von allem abhängen, was sonst im Blut ist.
Ebenso ausgeschlossen sind dritte Personen und Menschen, mit denen keine Absprache besteht, etwa Gäste oder Dates. Ein kleiner Teil der Befragten mit dormaphilen Fantasien wünschte sich nach dem Aufwachen einen Beweis, zum Beispiel ein Video. Aufnahmen von einem schlafenden Menschen sind ohne dessen ausdrückliche Zustimmung zu genau dieser Aufnahme tabu, und sie gehören nicht auf ein Gerät, das mit einer Cloud synchronisiert.
Nach dem Aufwachen braucht auch die aktive Seite ein Gespräch
Aftercare betrifft bei Somnophilie beide Rollen, und die aktive Seite ist dabei keine Nebensache. In der Studie berichteten einzelne Befragte mit dormaphilen Fantasien, ihre Partner hätten die aktive Rolle versucht, sie als übergriffig empfunden oder sich danach schuldig gefühlt.
Das Gespräch findet deshalb nicht nur statt, wenn etwas schiefging. Es klärt, wie sich das Aufwachen angefühlt hat, ob eine Berührung zu früh kam und ob die aktive Seite das Spiel wieder spielen will. Auf der passiven Seite sprachen einzelne Befragte davon, dass sich eine solche Nacht im Nachhinein wie eine Grenzverletzung anfühlen kann. Dafür braucht es einen zweiten Termin, ein kurzes „War okay?“ beim Frühstück reicht nicht.
Sagt eine Seite nach einer Nacht, dass es sich falsch angefühlt hat, ist das Spiel bis zu einem neuen Gespräch ausgesetzt. Das gilt unabhängig davon, ob die Absprache eingehalten wurde.
Wenn die Fantasie am fehlenden Ja hängt
Eine Fantasie ist keine Handlung, und Fantasien über Nicht-Einverständnis sind keine Seltenheit. In einer Befragung von 1.516 Erwachsenen durch Christian Joyal und Kollegen gaben 22,6 Prozent der Männer und 10,8 Prozent der Frauen an, schon einmal davon fantasiert zu haben, eine betrunkene, schlafende oder bewusstlose Person sexuell zu missbrauchen (zitiert nach Deehan und Bartels).
Deehan und Bartels haben dem fehlenden Einverständnis ein eigenes Thema in ihrer Auswertung gegeben, weil ein Teil der Befragten genau das als erregend beschrieb. Solange das im Kopf bleibt, ist es ein Teil des eigenen Innenlebens, der niemandem schadet. Die Grenze liegt dort, wo die Fantasie beginnt, Pläne zu machen: wenn du überlegst, wie jemand nicht aufwacht, oder den Schlaf eines Menschen abwartest, mit dem nichts abgesprochen ist.
Wer an diesem Punkt ist, hat einen guten Grund, mit einer sexualtherapeutischen Beratung zu sprechen, bevor etwas passiert. Das ist kein Eingeständnis, sondern die Entscheidung, die eigene Lust nicht auf Kosten eines anderen Menschen zu leben. Mit den dunkleren Seiten von Macht und Lust beschäftigt sich auch der Artikel über Sadomasochismus.
Nächster Schritt
Wenn ihr beide Lust auf das Thema habt, fangt mit gespieltem Schlaf an und redet danach über das Aufwachen. Die Grundlagen zu Safewords und Absprachen stehen im BDSM-Überblick.
BDSM-Grundlagen lesenHäufige Fragen
Ist Somnophilie eine psychische Störung?
Die Vorliebe allein nicht. Die seit 2022 geltende ICD-11 der WHO beschreibt paraphile Störungen über Handlungen an Menschen, die nicht einwilligen können oder wollen, und über deutlichen Leidensdruck oder erhebliche Gefahr. Wer ein anhaltendes Erregungsmuster gegenüber schlafenden Menschen ohne Einverständnis hat und danach handelt oder stark darunter leidet, kann unter die Kategorie 6D35 fallen, die Diagnose stellt eine Fachperson. Wer die Fantasie im Kopf hat oder einvernehmlich spielt und darunter nicht leidet, hat keine Diagnose.
Wie spreche ich die Fantasie bei meinem Partner an?
Am besten von der passiven Seite her, falls dich beide Rollen reizen. „Ich fände es aufregend, von dir geweckt zu werden“ öffnet ein Gespräch, „Ich würde dich gern im Schlaf anfassen“ löst eher Abwehr aus. Wenn es um die aktive Rolle geht, erzähl zuerst, was dich daran reizt, etwa das Begehren oder das Vertrauen, und frag erst dann, ob dein Partner sich eine gespielte Variante vorstellen kann. Ein Nein beendet das Thema, ein Zögern ist kein halbes Ja.
Mein Partner wird nachts sexuell aktiv und erinnert sich morgens nicht. Was ist das?
Das klingt nach Sexsomnia, einer Schlafstörung, bei der Menschen im Schlaf masturbieren oder Sex initiieren, ohne sich danach zu erinnern. Sie gehört in ein Schlaflabor, wo die Diagnose über eine Messung im Schlaf gestellt wird. Bis dahin hilft es, getrennt zu schlafen, wenn dich die Situation belastet, und das Thema tagsüber anzusprechen, ohne Vorwurf, weil die schlafende Person ihr Verhalten nicht steuert.
Kann man Somnophilie mit einem Date oder One-Night-Stand ausprobieren?
Nein, auch nicht in der gespielten Form beim ersten Treffen. Das Spiel lebt davon, dass die passive Person der aktiven vertraut und dass beide die Reaktionen des anderen lesen können. Beides entsteht nicht in einer Nacht. Wer über eine Dating-Plattform jemanden mit derselben Vorliebe findet, verabredet sich zuerst ohne Szene und verhandelt an einem anderen Tag.
Ich bin aufgewacht und es war nicht abgesprochen. Wohin kann ich mich wenden?
Was ohne Absprache an dir im Schlaf passiert, musst du nicht als Missverständnis einordnen, auch nicht in einer Beziehung. In Österreich berät der Opfer-Notruf kostenfrei unter 0800 112 112, in Deutschland das Opfer-Telefon des Weißen Rings unter 116 006. Beide Stellen helfen auch dann, wenn du noch nicht weißt, ob du Anzeige erstatten willst.
Woher kommt die Fantasie?
Eine einzelne Ursache gibt es nicht, aber die Befragten von Deehan und Bartels konnten die Herkunft oft benennen. Bei somnophilen Fantasien reichte sie für 32,1 Prozent in die Kindheit oder Jugend zurück, 27,7 Prozent nannten frühere Erlebnisse oder Partner, 11,6 Prozent Pornografie. Bei dormaphilen Fantasien waren frühere Erlebnisse oder Partner mit 23,5 Prozent die häufigste Antwort. 8,9 beziehungsweise 14,7 Prozent wussten es nicht, und für den Umgang mit der Fantasie spielt die Herkunft keine Rolle.
Ist die passive Rolle eher etwas für Frauen?
Dafür gibt es keinen belastbaren Beleg. In der Studie von Deehan und Bartels waren 142 der 232 Teilnehmenden Frauen, aber die Befragten wurden online und teils in Fetisch-Foren angeworben, deshalb sagt die Verteilung nichts darüber aus, wer die Vorliebe häufiger hat.
Lässt sich die Fantasie auch allein ausleben?
Ja, und dort richtet sie keinen Schaden an. Selbstbefriedigung mit der Fantasie im Kopf oder erotische Geschichten, in denen die Einvernehmlichkeit im Rahmen der Geschichte geklärt ist, berühren niemanden, der nicht zugestimmt hat. Für die passive Seite gibt es eine eigene Solo-Variante: sich halb schlafend selbst berühren und den Übergang zwischen Dösen und Erregung bewusst wahrnehmen.